Zur Sache (,) Baby: Rolle vorwärts. 9 Monate Veränderungen.

Mutterschaft Vereinbarkeit

 

Liebe Katja,

2016 – neues Jahr, neue Wege. Ziemlich neue Wege: In diesem Jahr werden wir zum ersten Mal Eltern. Und hören nun von allen Seiten – und lesen in allen Ratgebern – wie sehr dieses Ereignis unser Leben auf den Kopf stellen wird. Das fühlt sich ein bisschen an, als planten wir eine Reise zum Mars: Neben großer Vorfreude können wir uns zwar vorbereiten – Bücher lesen, einen Kinderwagen kaufen, eine Hebamme suchen, möglichst lange ausschlafen, solange es noch geht. Und trotzdem haben wir vermutlich noch keine wirkliche Vorstellung, was uns erwarten wird.

 

Du bist schon seit einer Weile in dem neuen Leben angekommen. Und von daher eine gute Adressatin für all die Fragen, die sich mir gerade stellen: Mutter werden, ein Kind haben, ein Jahr in Elternzeit gehen, zu dritt statt zu zweit zu sein – wie wird all dies mich, meine Partnerschaft und mein Verhältnis zu meinem Job verändern? Liebe Katja, wie war das bei Dir? Hast Du auch die folgenden Erfahrungen gemacht – oder ganz andere?

 

Schwanger – und plötzlich vermischen sich Privates und Berufliches. Ich teile meinem Chef und den KollegInnen mit, dass ich schwanger bin. Naturgemäß kommen Fragen, unter anderem, wie lange ich in Elternzeit gehen möchte. Nicht nur der eigene Bauch, auch die privatesten und familiären Entscheidungen, die ich treffe, die ich treffen muss, sind plötzlich Gesprächsthema mit Kollegen: Wie lange gehe ich in Elternzeit und warum? Wie viel übernimmt mein Partner, wie teilen wir uns auf? Ungewohnt – meine Partnerschaft, das Beziehungsmodell, das wir leben, und alle damit verbundenen Entscheidungen waren bisher nur Thema mit KollegInnen, wenn ich selbst das so wollte.

 

Und ich werde dadurch auch mit Fragen konfrontiert, auf die ich selbst noch keine endgültige Antwort habe – wie lange möchte ich denn eigentlich in Elternzeit gehen? Woher soll ich das jetzt schon wissen, wenn das Baby etwa die Größe einer Erdnuss hat? Der Sommer 2017 fühlt sich im Herbst 2015 sehr weit weg an. Ich schätze, ich werde gern ein Jahr mit meinem Kind zu Hause sein. Aber ich kann nur versuchen zu ahnen, wie ich empfinden werde, wie ich als Mama ticken werde. Vielleicht ist mir ein Jahr auch viel zu lang und ich werde es sehr vermissen, arbeiten zu gehen. Vielleicht möchte ich den kleinen Menschen nach einem Jahr aber auch doch noch nicht in die KiTa geben. Woher weiß man das? Wie war das bei Dir, Katja? Wie gut konntest Du vorher einschätzen, wie Du als Mutter sein würdest?

 

Manche Perspektiven sortieren sich noch mal neu. Job – bisher war klar: Durchpowern, Freude am Job. Und plötzlich muss man bei der Abendveranstaltung doch die Kollegin bitten, bei einer unerwarteten Wendung zu übernehmen, weil die Veranstaltung am nächsten Morgen früh weitergeht und 4 Stunden Schlaf in der Schwangerschaft vielleicht doch zu wenig sein könnten. Ungewohnt, die Kollegin zu bitten, statt es einfach selbst durchzuziehen. Und gleichzeitig treten damit zum ersten Mal anderen Fragen und Verantwortungen in den Vordergrund. Verwantwortung nicht nur meinem Job und mir gegenüber, sondern eben zuallererst für diesen Winzling, an den ich jetzt auch und vor allem denken muss. Und: Es geht auch immer irgendwie anders, auch die unerwarteten Wendungen bei einer Veranstaltung können auf anderen Wegen gut gelöst werden.

 

Gleichzeitig entstehen ungewohnt persönliche Gespräche, auch mit KollegInnen, mit denen ich bisher wenig ins Gespräch gekommen bin. Eine Schwangerschaft und ein Kind sind immer Gesprächsthema und berühren andere oft auf einer persönlichen Ebene. Man hört plötzlich von KollegInnen Erfahrungen und Erlebnisse – von ihnen und ihren Kindern, aus ihrem Familien- und Freundeskreis.

 

Und bei allen Veränderungen merke ich, dass ich im Job trotzdem (noch?) die Gleiche bleibe – es macht mir Freude zu arbeiten, ich fahre morgens gerne zur Arbeit, ich mag meine Aufgaben, gefordert zu sein, Verantwortung zu haben, mich inhaltlich mit Dingen auseinander zu setzen. Ich habe in manchen Momenten ganz schön Respekt vor der Elternzeit. Wie wird das werden? Wie sehr wird es mir in der Elternzeit fehlen, zur Arbeit zu fahren, wenn sich morgens früh die Wohnungstür hinter meinem Partner schließt?

 

Schwangerschaft – auch im Freundeskreis sehr persönliche Gespräche, nicht nur über Geburtsverletzungen, auch über Lebensplanung. Man sieht: Alle wählen unterschiedliche Modelle für die Aufteilung der Elternzeit. Wir erhalten viele Anregungen und Ideen. Ich versuche im Kopf zu behalten, wie viele unterschiedliche Wege es gibt. Manchmal werden wir vielleicht auch erst beim zweiten Nachdenken auf die Lösung kommen, die für uns gut passt. Ich wünsche mir für uns als Familie, dass wir für uns gute Modelle finden und nicht nur die Standard-Wege in Betracht ziehen, wenn andere Ideen besser passen.

 

Liebe Katja, wie hast Du Deine Schwangerschaft erlebt – die Vermischung von Privatem und Beruflichem? Die langfristige berufliche Planung, die dadurch konkret wurde? Wie hast Du während der Schwangerschaft auf die Elternzeit (in Hinsicht „Pause vom Job“) geblickt und wie sehr hat sich dann deine Vorstellung mit der Realität gedeckt? Ich bin gespannt!

 

Alles Liebe
Lea

lea

lea

Lea arbeitet als Projektmanagerin im Politikbereich in Berlin. Mit „Female Perspectives“ rückt jetzt gleichzeitig das Schreiben wieder mehr in den Mittelpunkt. Das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ hat für Lea seit der Geburt ihres ersten Kindes im letzten Jahr und ihrer Elternzeit noch mal einen ganz neuen Blickwinkel aus eigener Erfahrung bekommen.

2 Kommentare

  • Anna
    24. Februar 2016 um 10:41

    Liebe Lea, vielen Dank für Deine wunderbar formulierten Eindrücke. Sehr, sehr spannend, wirklich. Vor allem bin ich jetzt gespannt wie es bei Dir weitergeht und hoffe, Du schreibst fleißig weiter. Auf meinem Blog http://www.findingsustainia.org haben wir jede Menge zum Thema Green Parenting veröffentlicht. Vielleicht ist das auch für Dich interessant. Liebe Grüße! Anna

    • Lea
      25. Februar 2016 um 22:56

      Liebe Anna, danke! Auch für den Hinweis zu Deinem Blog! Liebe Grüße, Lea

Leave a Comment