Maren Fliegner

Zum ersten Mal: Chefin – Maren Fliegner, m3PR

Maren Fliegner, Gründerin und Chefin von m3PR, Berlin

Branche: PR

Angestellte: 3


 

Seit wann bist du heute auf den Beinen?

Seit 7 Uhr.

Wo arbeitest du und was machst du?

Ich habe ein kleines Büro im Berliner Wedding angemietet. Von hier aus sorgen wir dafür, dass Medien über unsere Kunden berichten. Darüber hinaus schreiben wir täglich zahlreiche Texte für Webseiten oder aber auch für Content-Marketing-Aufträge.

Seit wann bist du Chefin und was hast du vorher gemacht?

Im Juni 2011 habe ich m3 PR gegründet. Davor habe ich mir den Wind in verschiedenen PR-Agenturen um die Nase wehen lassen und dort zahlreiche Erfahrungen im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Event-Management sammeln dürfen.

War es immer dein Ziel, einmal selbst die Fäden in der Hand zu haben oder hättest du dir auch eine dauerhafte Anstellung vorstellen können?

Meine Eltern sind/waren selbständig und das wollte ich auch sein. Natürlich ermöglicht eine Festanstellung ein wesentlich entspannteres Leben, aber offenbar brauche ich den Kick.

Welche Bedeutung hat Arbeit in deinem Leben?

Sie ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Immerhin verbringt man arbeitend den Großteil seiner Zeit und da ist es für mich sehr wichtig, etwas zu tun, was mir Spaß macht. Jeden Tag mit einem schlechten Gefühl den Job anzutreten, wäre nichts für mich.

Inwiefern prägt deine Vergangenheit als Angestellte den Umgang mit deinen Mitarbeitern?

Ich denke, dass es ganz wichtig ist, vor der Selbständigkeit auch angestellt gearbeitet zu haben. So konnte ich mir bei meinen Vorgesetzten abschauen, was mir gut aber auch was mir nicht gefallen hat. Dies versuche ich bei meinen Mitarbeitern besser zu machen. Letztendlich ist der „Führungsstil“ aber auch eine Typfrage, sodass es schwierig ist, den guten Führungsstil eines anderen für sich zu adaptieren.

Gerade Start-ups werben mit flachen Hierarchien und einem lockeren Umgang miteinander. Siehst du diese Entwicklung positiv oder denkst du, dass Hierarchien Sinn machen, um unternehmerisch erfolgreich zu sein?

Grundsätzlich bin ich ein ganz großer Fan von flachen Hierarchien, allerdings musste ich in meiner Eigenschaft als „Chefin“ feststellen, dass nicht jeder Angestellte für diesen Arbeitsstil geeignet ist. Einige brauchen klare Anweisungen, um ihre Aufgaben strukturiert abarbeiten zu können. Andere blühen auf, wenn man ihnen viel Spielraum lässt und sie sich selbst entfalten können. Ich persönlich möchte in meinem Unternehmen keine starre Hierarchie, weil auch ich besser mit Freiheiten als in einem engen Korsett arbeiten kann.

Hast du die Erfahrung gemacht, dass sich die Arbeitsweise von Frauen und Männern unterscheidet?

Ich lege großen Wert auf die Qualität der Arbeit sowie die Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern. Ob nun ein Mann oder eine Frau diese Anforderungen erfüllt und wie der Weg dorthin verläuft, spielt bei uns keine Rolle.

Homogene oder gemischte Teams – was funktioniert deiner Erfahrung nach besser?

Hierbei allein auf das Geschlecht abzustellen, greift für mich zu kurz. Vielfalt ist ein wesentlicher Aspekt in einem Team, weil dadurch ganz neue Ideen entstehen und man sich gegenseitig bereichern kann. Bei der Einstellung achte ich dementsprechend darauf, verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenzubringen.

Welche ist die größte Herausforderung in deinem Leben und wie meisterst du sie?

Die größte Herausforderung für mich ist das Leben selbst. So abgedroschen der Spruch auch ist, aber ich stelle mehr und mehr fest, dass das Leben passiert, während du versuchst, es zu planen. Du kannst einfach nicht vorhersehen, wer oder was morgen in dein Leben tritt, sodass es wichtig ist, immer flexibel zu agieren und zu reagieren. Wenn man sich neuen Dingen gegenüber verschließt, landet man ganz schnell im Abseits.

Wie motivierst du dich an Tagen, an denen du am liebsten im Bett bleiben möchtest?

Damit, dass ich meine Kollegen wiedersehen kann und wir viel Spaß miteinander haben.

Wenn du eine ungeliebte Aufgabe aus deinem Alltag an jemand anderes delegieren könntest – welche wäre das?

Eindeutig Mahnungen schreiben.

Gibt es Frauen, die dich auf deinem Weg besonders inspiriert haben?

Meine Mutter.

Und welche Männer haben dich auf deinem Weg besonders inspiriert?

Das war weniger ein konkreter Mann, als eine Geschichte, an der sicherlich mehrere Männer beteiligt waren. Ich war in Dubai und erfuhr dort, dass vor dem Bau des Burj Khalifa die Finanzierung dieses Gebäudes noch gar nicht geklärt war. Anstatt sich davon abschrecken zu lassen, haben sie mit den Bauarbeiten begonnen und sich gesagt „Allah wird’s schon richten“. Ich bin nicht religiös, aber die Einstellung, erst mal aktiv zu werden und mit der Umsetzung einer Idee loszulegen, ohne vorher zu wissen, wohin sie führt, sowie das Vertrauen darin, dass schon alles gut werden wird, haben mich sehr inspiriert und mir den Mut gegeben, mich selbständig zu machen.

Wie definierst du „Erfolg“?

Das gute Gefühl, ein gestecktes Ziel erreicht zu haben.

Und wie lautet dein Erfolgsrezept?

Anstatt mir ein großes Ziel zu setzen, stecke ich mir regelmäßig kleine Ziele, die ich erreichen möchte. Wenn ich diese dann erreicht habe, ist das jedes Mal ein Erfolg für mich. Das Gute daran ist, dass ich mich selbst auf diese Art und Weise stärke und davor bewahre, dass, wenn ein Ziel in zu weiter Ferne ist, mir unter Umständen die Luft auf dem Weg dorthin ausgeht.

Chefin zu sein, heißt natürlich, mehr Verantwortung zu haben. Für dich selbst und andere. Empfindest du das als Bürde?

Wenn alles gut läuft, ist die Verantwortung eine Ehre, aber selbstverständlich ist diese auch mit Sorgen verbunden, wenn es mal hakt. Von einer Bürde würde ich aber nicht sprechen.

Wie gehst du mit Zweifeln um, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist?

Diese Zweifel sind nicht schön, aber gehören dazu. Nur wenn man sich selbst hinterfragt, hat man auch die Möglichkeit, sich zu verbessern und den möglicherweise falschen Weg wieder zu verlassen.

Hattest du jemals das Gefühl, als Frau härter arbeiten zu müssen, um beruflich erfolgreich zu sein?

Zum Glück nicht.

Wenn du dich ein Jahr nicht um ein Einkommen kümmern müsstest: was würdest du tun?

Vorausgesetzt ich hätte noch ein paar zusätzliche Euros, würde ich diese Zeit nutzen, um etwas Gastronomisches aufzuziehen.

katja

katja

Katja arbeitet als freie Texterin in Berlin. Sie bloggt, schreibt und lektoriert für Berliner Start-ups ebenso wie für internationale Auftraggeber. Seit der Geburt ihrer Tochter 2014 beschäftigt sie sich intensiv mit den Themen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und „Lebensfreundliche Arbeitsmodelle". Ihr zweites Herzensprojekt neben Female Perspectives: juggleHUB - ein Coworking & Event Space mit flexibler Kinderbetreuung, den sie momentan zusammen mit einer Mitgründerin aufbaut.

Leave a Comment